Das Klimahaus 8°Ost in Bremerhaven sieht wie gigantischer Tropfen aus, den der Bremer Architekt Thomas Klumpp an der Hafenanlage abgelegt hat. Ein Glaspalast mit einer gewissen Ähnlichkeit zur Münchner Allianz Arena. Der Bau ist 125 Meter lang und 82 Meter breit. Durch die Ausstellungsfläche von 11.500 Quadratmetern führt ein rund 1,5 Kilometer langer Weg von Bremerhaven über die Schweiz, in die afrikanischen Wüsten, die Antarktis und zurück über Samoa, Alaska und Die Halligen. Die Reise führt am achten Längengrad entlang, der dem Projekt nicht nur den Namen gegeben hat und seinen Standort markiert, sondern auch die thematische Klammer bildet: die Route, die Orte und Klimazonen verbindet.
Für die Installation anspruchsvoller Audio-, Licht-, Video-, Medien- und Steuerungstechnik sowie kreativer Systemintegration wurde die für die technische Umsetzung im Klimahaus verantwortliche Firma Amptown System Company (ASC) mit dem Sinus – System Integration Award 2010 in der Kategorie Information ausgezeichnet.
Neben der anspruchsvollen Audio-, Licht und Medientechnik, sind an die sechzig Christie-Projektoren im Klimahaus im Einsatz, und ohne diese kleinen kompakten Christie DS305+ Projektoren, wäre vieles, was die Planer im Sinn hatten, nicht ohne weiteres realisierbar gewesen oder weit weniger überzeugend ausgefallen.
Grundidee der Planer und Entwickler, den Hamburger und Bremer Spezialisten für innovative, wissensbasierte Freizeitwelten Kunstraum und Petri & Tiemann, war es, das Thema Klima in all seinen Bedeutungen darzustellen, um die Besucher neugierig zu machen, Zusammenhänge zu erkennen und Eigeninitiative zum Klima- und Umweltschutz zu entwickeln.
Zwei Stunden braucht man für einen ersten Rundgang, und einen halben Tag sollte mindestens einplanen, wer sich die Erklärungen anhören und die vielen Filme am Rande des Parcours ansehen möchte: Denn in den kaum zu zählenden Räumen, Kammern, Höhlen, Hütten, Landschaften laufen speziell produzierte Filme. Es sind Porträts von Ureinwohnern und Stammeshäuptlingen, von Menschen und Kindern ohne Chancen auf Bildung, deren Existenz ganz konkret bedroht ist von den Veränderungen des Klimas.
Und während die Räume, die oft durch schwere Lamellenvorhänge voneinander getrennt sind, den jeweiligen Ort zeigen, kommt die dazu gehörige Erklärung im Klimahaus nicht von faden Schautafeln, die keiner lesen mag, sondern von eigens erstellten Filmen, denn für jede Station gibt es einen eigenen Film. Dieses Material begleitet den Besucher durch das ganze Klimahaus - auf rund 100 Bildschirmen und Projektionen von fast 60 Projektoren.
Projiziert wird dabei auf alle möglichen Formen und Flächen. Hunderte von Objekten wurden eigens dafür entworfen und gebaut und mit der geeigneten Projektionsfolie kaschiert - zumeist Material von Gerriets. Und in den meisten Fällen ist die Platzierung des Projektors der entscheidender Faktor, bei dem die Christie-Projektoren ihre große Stärke ausspielen: "Fast bei jeder der knapp 60 Projektionen hatten wir das gleiche Problem“, erklärt Michael Staats, der verantwortliche Projektleiter von ASC, der Hamburger Amptown System Company: "Der Projektionsabstand sollte minimal und das projizierte Bild möglichst riesengroß sein. Darum hatte schon im Vorfeld der Planer Heiko Wandrey Feldversuche durchgeführt und dabei den Christie DS305+ als den geeigneten Projektor ausgemacht.
Entscheidend dabei war der Objektiv-Bildkreisdurchmesser und die damit erreichbare Abbildungsgröße. Die Geräte arbeiten mit einer 1:1-Optik, einem mechanischen Lens-Shift mit 100 Prozent. Nur so konnten die geforderten teilweise raumfüllenden Projektionen realisiert werden, zumal man wegen der engen Räume keine Möglichkeit hatte, den Projektor einfach ein Stück weit zurück zu setzen. Nur in zehn Fällen musste man ausgeklügelte Umlenkspiegel für die Projektionen installieren, mal aus dem Boden, mal aus einer Ecke heraus oder kaum sichtbar von der Decke herab.
Das ASC-Team um Michael Staats hatte eine ganze Reihe von Projektoren im Test und genaue Vorstellungen davon, welche Eigenschaften der Projektor erfüllen sollte. Christie hatte da die ideale Lösung und mit dem Hamburger Spezialisten VisionTools einen Parther vor Ort. Staats dazu: „Die Geräte haben sich bewährt. Außerdem sind wir mit der guten Zusammenarbeit absolut zufrieden."
Als Zuspieler arbeiten im Klimahaus 8°Ost HD-2000 Flashkarten-Zuspieler von ROKU. Für jeden Projektor gibt es einen eigenen Zuspieler. Nur bei den komplexeren interaktiven Bildern griff man auf PCs als Zuspieler zurück, teilweise werden auch eigene Server eingesetzt. Bei solchen Bildern handelt es sich meist um Adobe-Flash-Material, das über Java aktiviert wird.
So unterschiedlich die einzelnen Kammern, Räume, Säle, Höhlen geformt sind, so verschieden sind auch die Halterungen für die Projektoren, die allesamt von ASC selbst hergestellt wurden. "Jede ist ein Unikat", erklärt Staats.
Gesteuert wird das ganze Projekt über den Medialon Manager Pro V5, einer ebenso komfortablen wie offensichtlich zuverlässigen Server-Software, die für alle Steuerungen im Hintergrund zuständig ist, seien es die Lichtwerte, Start / Standby/Rückmeldung der Projektoren, die Tonzuspieler, aber auch alle eingesetzten Steuerungs-Relais, die beispielsweise vor manchen Objekten Türen öffnen oder schließen, Leinwände absenken oder hochfahren, Schallschutzvorhänge steuern oder die Spezialeffekte auslösen. Der Medialon Manager lässt es regnen, stürmen, blitzen, jeweils abgestimmt nach einem vorgegebenen Zeitplan oder in Abhängigkeit von einprogrammierten Sequenzen, die über eine Tastenkombination an den Displays anzuwählen sind.
Auf diese Weise hat das Team rund um Michael Staats anspruchsvolle Projektionen installiert, die beispielsweise aus Exponaten heraus über eine Spiegelumlenkung szenische Bilder entstehen lassen, z.B. in einer Vertiefungszone des Niger eine Verbindung aus Exponat und Projektion: einen Brunnen, an dem per Videodarstellung ein Muli angebunden ist, das über eine Steuerung mittels eines echten Flaschenzuges, an dem der Besucher ziehen kann, einen Eimer Wasser aus dem Brunnen hebt.
Für das Team von ASC war das Klimahaus einer der größten bisherigen Aufträge überhaupt, und Michael Staats und sein Team wurden für dieses Projekt zu Recht auf der Prolight+Sound mit dem Sinus Award 2010 ausgezeichnet.
Staats erklärt: "In der Ausbauphase waren wir mit 20 Elektrikern, 15 A/V- Technikern Tag und Nacht vor Ort und haben eine komplette Infrastruktur hingestellt, bestehend aus Schlosserei, Schreinerei und Werkstatt. Das war nötig, um den Zeitplan einzuhalten und flexibel auf Änderungen am Bau und in den 37 Installationszonen zu reagieren. An 21 Positionen im Haus haben wir Medientechnikzentren untergebracht. Wärmeabstrahlende Komponenten, Stromverteilungen uns unsere Netzwerkhardware wurde ebenfalls in abseits gelegenen Technikräumen platziert.